Hintergrund: Als häufigste angeborene Fehlbildung des Gastrointestinaltrakts ist das Meckel-Divertikel (MD) ein wichtiges Krankheitsbild in der Praxis des Viszeralchirurgen. Ziel dieser Arbeit war es, die Sicherheit der Resektion von MD in Bezug auf postoperative Komplikationen zu analysieren. Aufgrund der relativen Seltenheit des MD wird zudem ein Überblick über die Literatur gegeben. Patienten und Methoden: Alle Patienten, bei denen zwischen 1996 und 2010 an der Chirurgischen Klinik I der Charité – Campus Benjamin Franklin ein MD beschrieben wurde, wurden erfasst. Es erfolgte ein Vergleich zwischen symptomatischen und inzidentellen MD in Hinsicht auf Inzidenz, Operationsindikation, intraoperativen Befund, Histologie und früh-postoperatives Outcome. Ergebnisse: Bei 71 von 29 682 Patienten (0,2 %) wurde intraoperativ ein MD festgestellt. Symptomatische MD zeigten sich bei 26 Patienten (37 %). Bei 6 der 7 Patienten mit gastrointestinaler Blutung (GIB) fand sich ursächlich ein symptomatisches MD (p = 0,005). Alle symptomatischen und 30 (67 %) der asymptomatischen MD wurden reseziert. Ektope Magenschleimhaut lag bei Patienten mit symptomatischem MD signifikant häufiger vor (p = 0,001). Patienten mit asymptomatischem MD und Resektion hatten tendenziell seltener postoperative Komplikationen als Patienten mit symptomatischen MD (p = 0,057). Schlussfolgerung: Ektopes Gewebe kommt bei symptomatischen MD signifikant häufiger vor, insbesondere bei blutenden MD. Bei einer GIB unklarer Ursache sollte ein MD in Betracht gezogen werden. Die Resektion inzidentell aufgefundener MD kann empfohlen werden, solange keine Kontraindikationen wie Peritonitis, Lebenszeit beschränkende Tumorerkrankung, Aszites oder Immunsuppression bestehen.