Ähnlich wie bei der Frage der Definition ihres Gegenstandes hat sich die ältere Zeitschriftenforschung mitunter auch in der Suche nach den Ursprüngen der Zeitschrift in manche unergiebigen Bemühungen festgefahren. Zwar war schon seit Beginn des 18. Jh.s im Grunde anerkannt, daß das französische »Journal des Sçavans« (1665 ff.) die erste, in den medientypischen Merkmalen voll ausgebildete Zeitschrift war. Doch hat es nicht an gelegentlich sehr normativen Versuchen gefehlt, noch ältere Zeitschriften aufzufinden oder doch gewisse Vorstufen und Frühformen zu ermitteln. Dies geschah nicht selten unter nationalen Vorzeichen, insofern man neben Gutenbergs Buchdruck und der Entstehung der Zeitung auch die Anfänge der Zeitschrift als ein Verdienst deutscher Kultur buchen wollte. Aus pragmatisch zu lösenden Fragen der Klassifizierung wurden dabei geradezu ideologische Streitpunkte. So legitim der historisch-genetische Ansatz im Prinzip auch ist, so wenig geht es dabei oft ohne begriffliche Spitzfindigkeiten und spekulative Konstruktionen ab. Trotz der damit angedeuteten Vorbehalte soll im folgenden kurz auf die am ausgiebigsten begründeten oder diskutierten Genealogien der Zeitschrift hingewiesen werden, bevor ihre aus- und inländischen Anfänge am Ende des 17. Jh.s dargestellt werden.