Messsysteme für die patientennahe Blutglukosemessung (Point Of Care Test / POCT) weisen systemspezifisch verschiedene Interferenz-Potenziale auf. Dabei nimmt das für die Messung verwandte Enzymsystem eine Schlüsselrolle ein: Die Blutglukosemessung mittels GOD (Glukoseoxidase)-Technologie wird beispielsweise durch Harnsäure, Paracetamol, Ascorbinsäure oder Sauerstoff beeinträchtigt. Bei der GDH (Glukosedehydrogenase)-Technologie können „falsche Glukosemoleküle“, also andere als Glukose, die Messung beeinträchtigen: Zu verfälscht hohen Messwerten führt die Blutglukosemessung mit einem Teststreifen auf Basis der bisherigen PQQ (Pyrrolochinolin-Chinon)-abhängigen GDH bei Patienten, die Maltose-haltige Infusionen erhalten. Es ist eine in den Beipackzetteln deklarierte Fehlerquelle, auf welche die FDA in einer Mitteilung 2009 hingewiesen hat. Um diese Maltose- und Xylose-Interferenz zu minimieren, wurde eine genetisch modifizierte Form der GDH-PQQ zur Produktreife entwickelt und steht als Alternative in Deutschland zur Verfügung. Hier aufgezeigt und bewertet werden die aktuellen Richtlinien und Anforderungen für POCT-Messsysteme gemäß RiliBÄK, potenzielle Fehlerquellen infolge unterschiedlicher Bezugsgrößen (Vollblut vs. Plasma) sowie Störfaktoren. Es soll dazu beitragen, Risikopatienten zu identifizieren und unangemessene Therapieentscheidungen aufgrund zu hoher oder zu niedriger Glukosemesswerte zu vermeiden.