Hintergrund: Die Strahlenenteritis ist eine schwerwiegende Nebenwirkung bei Patienten, die im Rahmen einer Krebstherapie am Abdomen oder Becken bestrahlt werden. Trotzdem fehlen standardisierte Daten für die medikamentöse Prophylaxe und Therapie. Material und Methoden: In einer PubMed-gestützten Literatursuche wurden die aktuellen Veröffentlichungen in deutscher und englischer Sprache zum Thema „Prophylaxe und Therapie der Strahlenenteritis” gesichtet und ausgewertet. Ergebnisse: Es fanden sich vier doppelt verblindete und placebokontrollierte Studien, in denen die prophylaktische Wirkung von 5-Amionosalizylaten bei akuter Strahlenenteritis untersucht wurde. In diesen Studien konnte nur für die Gabe von Sulphasalazin (2 g/Tag) ein positiver Effekt nachgewiesen werden. Die prophylaktische Gabe von Probiotika konnte die Inzidenz der akuten Strahlenenteritis in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie deutlich senken. Die Wirksamkeit von Octreotid bei bereits bestehender akuter Strahlenenteritis wurde in einer randomisierten und einfach verblindeten Studie aufgezeigt. In zwei Arbeiten, eine davon randomisiert, wurde eine Wirksamkeit von Loperamid bei bestehender akuter Strahlenenteritis beschrieben. War Diarrhö auch das Hauptsymptom der chronischen Strahlenenteritis, erwies sich Loperamid in einer doppelt verblindeten, randomisierten und placebokontrollierten Studie als wirksam zur Senkung der Stuhlfrequenz. Eine retrospektive Auswertung von Patientendaten konnte Vorteile einer längerfristigen häuslichen parenteralen Ernährung gegenüber einer chirurgischen Intervention bei schwerer chronischer Strahlenenteritis mit Obstruktion oder Fistelbildung andeuten. Schlussfolgerung: Reduktion der Strahlendosis und des Bestrahlungsfeldes sind nach wie vor die wichtigsten Faktoren in der Prophylaxe der akuten und chronischen Strahlenenteritis. Weitere Untersuchungen der Pathophysiologie insbesondere der chronischen Strahlenenteritis könnten neue therapeutische Perspektiven eröffnen. So scheint beispielsweise eine Hemmung von TGF-β einen neuen Erfolg versprechenden Therapieansatz bei chronischer Strahlenenteritis darzustellen.