Zusammenfassung Hintergrund Chimäre Antigenrezeptor(CAR)-T-Zellen haben sich als effektive Therapieoption in der Behandlung von B‑Zell-assoziierten Malignomen etabliert. Neben malignen B‑Zellen können auch autoreaktive B‑Zellen ein Ziel der anti-CD19-gerichteten CAR-T-Zellen (CD19-CAR-T-Zellen) darstellen. B‑Zellen sind beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) maßgeblich an der Produktion pathogener Autoantikörper beteiligt und fördern sowohl den Krankheitsausbruch als auch das Fortschreiten der Erkrankung. In unseren bisherigen Forschungsarbeiten als auch in weiteren Fallanalysen konnte gezeigt werden, dass der Einsatz der CD19-CAR-T-Zell-Therapie bei schwerem, therapierefraktärem Verlauf des SLE eine vielversprechende Wirksamkeit sowie ein akzeptables Sicherheitsprofil aufweist. Ziel der Arbeit Es wird ein Fazit zum aktuellen Stand bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit der CD19-CAR-T-Zell-Therapie beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) gegeben. Material und Methode PatientInnen mit progredientem, therapierefraktärem SLE erhielten im Rahmen eines individuellen Heilversuches eine autologe CD19-CAR-T-Zell-Therapie (MB19,1, Miltenyi Biotec, Bergisch Gladbach, Deutschland) und werden regelmäßig an unserem Zentrum nachbeobachtet. Ergebnisse Elf PatientInnen mit progredientem, therapierefraktärem SLE erhielten im Rahmen eines individuellen Heilversuches eine autologe CD19-CAR-T-Zell-Therapie. Die mediane Nachbeobachtungszeit beträgt 2,5 Jahre (0,5 bis 4 Jahre). Alle PatientInnen erreichten innerhalb von 6 Monaten eine DORIS-Remission (Definition of Remission in SLE). Die immunsuppressive Therapie wurde bei allen PatientInnen vollständig abgesetzt. Fünf der 11 PatientInnen hatten ein „cytokine release syndrome“ (CRS) ersten Grades. CRS Grad 2 wurde nur 1‑malig beobachtet. Höhergradige CRS sind in dieser Kohorte nicht aufgetreten. Bei unseren SLE-PatientInnen war keine Neurotoxizität („immune effector cell-associated neurotoxicity syndrome“ [ICANS]) festzustellen. Alle PatientInnen befinden sich aktuell in einer anhaltenden und medikamentenfreien Remission. Wir verzeichneten bei einer Patientin einen therapiebedürftigen SLE-Schub. Erste Daten deuten trotz ähnlicher CD19-CAR-T-Zell-Expansion und Kinetik auf ein besseres Sicherheitsprofil der CD19-CAR-T-Zell-Therapie bei SLE im Vergleich zu Lymphomkohorten hin. Bei SLE-Patientinnen stellt sich die adaptive Immunität nach einer CD19-CAR-T-Zell-Therapie zudem schnell wieder her. Schlussfolgerungen Der Einsatz von CD19-CAR-T-Zellen bei PatientInnen mit schwerem Verlauf des SLE erweist sich als sicher und wirksam.