摘要
Ein 5-jähriger aus Syrien stammender Junge präsentierte sich mit Bildung vereinzelter praller Blasen auf gesunder Haut alle 2–3 Wochen seit dem 9. Lebensmonat. Die Blasen seien auf den ganzen Körper mit Aussparung des Kopfes verteilt und würden unter nachfolgender Hyperpigmentierung narbenfrei abheilen. Die Mundschleimhaut sei nicht betroffen. Geschwister, Eltern und andere Familienangehörige seien hautgesund. Die Eltern seien nicht konsanguin. An den Beinen und Armen betont streckseitig sowie am Stamm (p.m. Unterschenkel streckseitig) zeigten sich disseminierte postinflammatorisch hyperpigmentierte Plaques und z. T. verkrustete Erosionen auf erythematösem Grund (Abbildung 1a, b). Am Malleolus medialis rechts sah man eine ca. 1 × 0,5 cm messende pralle Blase mit klarer Flüssigkeit. Das Nikolski-Zeichen war negativ. Keine Milien. Mundschleimhaut, Zähne, Haare und Nägel unauffällig. Lokalisationstypisch kompakt verhornende Epidermis mit ausgeprägter Vakuolisierung der Basalzellschicht und einer Blasenbildung im Bereich des Biopsierandes. Die Spaltbildung findet innerhalb der basalen Keratinozyten statt (Abbildung 2). Im oberen Korium immer wieder Civatte-Körperchen sowie abgetropftes Melaninpigment. Kein nennenswertes Entzündungsinfiltrat. Hautabstrich zur bakteriologischen und mykologischen Erregerdiagnostik: unauffällig. Direkte Immunfluoreszenz (periläsional): Granuläre Fluoreszenz bei Beschichtung mit antihumanem IgM an der Basalmembran. Cytoidbodies bei Beschichtung mit antihumanem IgM und IgA. Keine spezifische Fluoreszenz bei Beschichtung mit antihumanem IgG und Komplement C3. Indirekte Immunfluoreszenz auf Affenösophagus und NaCl-separierter humaner Spalthaut: Kein Nachweis zirkulierender IgG- oder IgA-Autoantikörper. Next-generation Sequencing (NGS): Homozygote pathogene Variante c.4917C>A, p.(Cys1639*) (Referenz: NM_015065.3, Assembly: GRCh37.p13) im Gen für Exophilin 5 (EXPH5). Kein Nachweis pathogener Mutationen in den Genen für Keratin 5, Keratin 14, Kelch-like protein 24, Transglutaminase 5, Dystonin und Plectin. Wir diagnostizierten in Zusammenschau der Befunde eine intermediäre Epidermolysis bullosa simplex (EBS). In älteren Klassifikationen wurde diese Erkrankung als EBS Typ Köbner oder als intermediäre generalisierte EBS bezeichnet. Es zeigte sich im Verlauf keine Änderung der Krankheitsaktivität. Gedeih- oder Entwicklungsstörungen lagen nicht vor. Es wurde beim Auftreten von Blasen zur sterilen Punktion und antiseptischen Maßnahmen geraten. Unterformen der hereditären Epidermolysis bullosa (EB) beinhalten verschiedene Hauterkrankungen mit sub- oder intraepidermaler Spaltbildung, die durch loss-of-function Mutationen epi- oder dermoepidermaler Adhäsions- oder Signalproteine ausgelöst werden.1 Dadurch kommt es zur Blasenbildung der gesunden Haut nach geringen Traumata und mechanischer Belastung, außerdem finden sich Milien, Nageldystrophien und palmoplantare Hyperkeratosen. Die Klassifikation erfolgt anhand der Spaltbildungsebene in Epidermolysis bullosa simplex (EBS, intraepitheliale Spaltbildung), junctionalis (Spalt innerhalb der dermoepidermalen Junktionszone), dystrophica (dermale Spaltbildung) und das Kindler-Syndrom (variable Spaltebene).2 Innerhalb der EBS wird nach klinischer Ausprägung zwischen lokalisierten, intermediären und schweren Formen unterschieden. Die Inzidenz der EBS wird insgesamt mit etwa 1:100.000 angegeben, wobei lokalisierte Formen deutlich häufiger sind als generalisierte.3 Die EBS wird häufig autosomal-dominant vererbt und ist die Folge von Mutationen in den Genen für Keratin 5 oder 14. Im vorliegenden Fall wurde dagegen eine neue homozygote Mutation im Gen für Exophilin-5 (EXPH5) nachweisen, die autosomal-rezessiv vererbt wird. Dies passt ggf. auch zur negativen Familienanamnese. Exophilin-5 ist ein Signalprotein, das an der Sekretion von Exosomen und dem Transport von intrazellulären Vesikeln in Keratinozyten beteiligt ist. Das Fehlen von Exophilin-5 führt zum fehlerhaften Aufbau von Keratinfilamenten und dadurch zum klinischen Phänotyp einer EBS.4 Die EXPH5-assoziierte EBS ist sehr selten, weltweit wurden bisher nur elf Fälle publiziert,5 extrakutane Veränderungen oder Beteiligung der Adnexen wurden dabei in keinem der Fälle beschrieben. Bei rezidivierender Blasenbildung im Kindesalter sollten grundsätzlich zunächst infektiöse Ursachen eruiert werden (bullöse Impetigo), nachfolgend eine Autoimmundiagnostik zum Ausschluss bullöser Autoimmundermatosen durchgeführt werden und Genodermatosen (Ichthyosen, Porphyrien, EB) bedacht werden. Unser Fall macht deutlich, dass rezidivierende Blasenbildung im Kindesalter auch bei negativer Familienanamnese ein Zeichen einer hereditären EB sein kann. Die genaue molekulargenetische Analyse ist Voraussetzung für eine präzise Diagnosestellung und adäquate genetische Beratung der betroffenen Familien. Open access Veröffentlichung ermöglicht und organisiert durch Projekt DEAL.