Standardisiertes Beurteilungsschema zur semiquantitativen Analyse der kornealen Neovaskularisation mittels projizierter Hornhautfotografien - Pilotstudie nach Nicht-Hochrisiko-Keratoplastik vor anschließender Immunreaktion
Hintergrund Eine semiquantitative Methode zur Analyse der kornealen Neovaskularisation wird vorgestellt und in einer Pilotstudie zur Analyse der kornealen Neovaskularisation nach Hornhauttransplantation vor anschließender Immunreaktion getestet.Methoden Es wurden standardisiert Fotografien der Hornhaut mit diffuser frontaler Beleuchtung an der Spaltlampe erstellt. Diese wurden standardisiert von zwei unabhängigen Betrachtern durch Projektion der Diapositive mit 100facher Vergrößerung auf korneale Gefäße untersucht. Über den Limbus hinausreichende Blutgefäße wurden in 12 kornealen Sektoren in eines von 5 Stadien eingeteilt (0: keine Gefäße über den Limbus hinausreichend; 1: Gefäße zwischen Limbus und äußerem Ende einer doppelt fortlaufenden Naht; 2: Gefäße zwischen äußerem Fadenende und Wirt-Spendergrenze; 3: Gefäße in der Wirt-Spendergrenze; 4: Gefäße bis in die Spenderhornhaut reichend). In einer Pilotstudie wurden alle Patienten mit eindeutiger endothelialer Transplantatreaktion aus der Erlanger Nicht-Hochrisiko-Keratoplastikstudie (13 von 325; 1/97 - 6/00; 4 %) untersucht. Ein Patient ohne Fotos wurde aus dieser Teilstudie ausgeschlossen. Fotos der Hornhaut von präoperativ (n=10), beim letzten vierteljährlichen Kontrolltermin vor der Transplantatreaktion (n=10), zum Zeitpunkt der Transplantatreaktion (n=12) und ein Jahr danach (n=9) wurden auf korneale Neovaskularisation analysiert. Die gesamte Analyse wurde nach 2 Monaten wiederholt, um die Reliabilität der Untersuchungsmethode zu ermitteln.Ergebnisse Die Rangkorrelation (Kendalls Tau B) der Bildbeurteilung zwischen den Untersuchern lag bei 0,79 am ersten und 0,86 am zweiten Untersuchungszeitpunkt. Das Gesamturteil zwischen erster und zweiter Auswertung korrelierte mit 0,8. Korneale Gefäße bis zu einem Durchmesser von 6 μm können erkannt werden. Bei 8 der 12 analysierten Patienten mit Immunreaktion nach Keratoplastik (67 %) fand innerhalb eines Jahres nach Keratoplastik und vor Immunreaktion eine Neovaskularisation in mindestens einem kornealen Sektor statt (2,1 ± 1,9 Sektoren; 1 - 6). Zum Zeitpunkt der Transplantatreaktion erreichten neugebildete korneale Gefäße bei 2 Patienten die Wirt-Spendergrenze, gingen bei 1 darüber hinaus in die Spenderhornhaut, erreichten bei 8 Hornhäuten zwar das äußere Fadenende, nicht aber die Wirt-Spendergrenze und bei einem Patienten nicht das äußere Fadenende. Die neuen Gefäße zielten meist auf die äußeren Wendepunkte des Hornhautfadens.Schlussfolgerungen Die Beurteilung der kornealen Neovaskularisation mittels projizierter Hornhautdiapositive bei 100facher Vergrößerung ist ein reliables Verfahren. Gegenüber der reinen Spaltlampenbeurteilung hat es den Vorteil einer größeren Objektivität und Genauigkeit sowie der ständigen Verfügbarkeit zur Analyse. Eine korneale Neovaskularisation nach Nicht-Hochrisiko-Keratoplastik und vor Transplantatreaktion scheint ein häufiges Phänomen zu sein, wobei die Gefäße jedoch meist nicht die Wirt-Spendergrenze erreichen. Ob die korneale Neovaskularisation nach Keratoplastik das Risiko für eine anschließende Immunreaktion erhöht, muss in einer größeren Studie untersucht werden.