Kontinuierliche Glukose- und Ketonmessung: Perspektiven für modernes Diabetesmanagement
作者
Thomas Michael Kapellen,Christian Karl Brinkmann,Guido Freckmann,Stefan Gölz,Susanne Tan,Jochen Seufert,Thorsten Siegmund,Ralph Ziegler,Julia Szendrödi
Zusammenfassung Ketonkörper sind natürliche Energieträger, die in der Leber aus Fettsäuren gebildet werden und bei Nahrungskarenz oder kohlenhydratarmer Ernährung als alternative Energiequelle zu Glukose dienen. Während physiologisch erhöhte Ketonwerte bei körperlicher Aktivität oder ketogener Ernährung unbedenklich sind, können pathologisch hohe Konzentrationen bei Menschen mit Diabetes zu einer lebensbedrohlichen diabetischen Ketoazidose (DKA) führen. Die DKA stellt eine der schwerwiegendsten akuten Komplikationen bei Menschen mit Diabetes dar, besonders bei Typ-1-Diabetes (T1D). Hauptursachen sind Insulinmangel durch verpasste Injektionen, Pumpenkathether-Okklusionen oder Infekte. Trotz moderner Diabetestechnologien bleibt die DKA-Prävention eine bisher ungelöste Herausforderung. Die kontinuierliche Ketonmessung (CKM) bietet hier mögliche Lösungsansätze. Aktuell werden Ketonmessungen zur Früherkennung in der Praxis meist unzureichend durchgeführt. Die CKM, idealerweise als Dualer Glukose-Keton-Sensor (DGK), könnte diese Versorgungslücke schließen. Das System kann Ketonwerte kontinuierlich messen und bei kritischen Werten automatisch alarmieren – ohne aktives Zutun der Patient:innen. Besonders profitieren könnten Menschen mit T1D in Situationen, die das Risiko für einen Insulinmangel bergen, Menschen mit wiederholten DKA-Episoden, schwangere Frauen mit T1D, Kinder und Jugendliche mit T1D und Personen unter SGLT-2-Inhibitor-Therapie. Ein erster CKM-Prototyp zeigte bereits 2021 die prinzipielle Machbarkeit, nun wird bald ein DGK verfügbar sein. Klinische Studien zu patientenrelevanten Endpunkten – insbesondere zur tatsächlichen Reduktion von DKA-Episoden durch CKM – stehen bislang aus. Die vorliegenden Daten stammen überwiegend aus Machbarkeitsstudien und Pilotstudien unter kontrollierten Bedingungen; internationale Expertengremien benennen offene Fragen für wichtige Forschungsprioritäten. Auf konzeptioneller und pathophysiologischer Ebene zeigt die Technologie ein plausibles Potenzial, neue wissenschaftliche und klinisch-relevante Erkenntnisse über die Physiologie und Pathophysiologie der Ketone zu erhalten und die Sicherheit der Diabetestherapie zu verbessern – der klinische Nachweis muss jedoch in kontrollierten Studien mit klinischen Endpunkten erbracht werden.