Einleitung: Die Beurteilung der Kardiotokografie (CTG) ist erfahrungsgemäß mit einer hohen Inter- und Intraobservervarianz verbunden, was sich auch in einer geringen Spezifität der Methode widerspiegelt. Methodisch erfährt das CTG seit kurzem eine Weiterentwicklung durch die Nutzung abdominal aufgebrachter Elektroden. Neben der grafischen Darstellung der Herzfrequenz ist aufgrund der Verfügbarkeit leistungsfähiger Hardware und angepasster Algorithmen zur Extraktion des fetalen EKG (fEKG) heute auch die Bewertung der Herzratenvariabilität (HRV) möglich. Diese Schlag-zu-Schlag-Analyse bewies bei Erwachsenen einen prognostischen Wert bezüglich kardialer Risiken. Analog der bei den Erwachsenen verwendeten objektiven Indizes soll die Methodik für die fetale Überwachung adaptiert werden. Material und Methoden: Bei 10 Schwangeren (21–41. SSW) erfolgte die Aufnahme abdominaler EKGs unter Verwendung eines ADInstruments Powerlab (Abtatrate 1000Hz, Auflösung 16 nV). Die Extraktion des fEKG erfolgte in MatLab auf Basis adaptiver Template-Subtraktionsmethoden und Methoden der Quellentrennung. In der Folge wurden Parameter der HRV in Zeitbereich (SDNN, SDANN, RMSSD) und Frequenzbereich (LF, HF, LF/HF) sowie nicht-lineare Parameter (Symbolische Dynamik, Entropie) bestimmt. Ergebnisse: In dieser Pilotstudie wurde bei Schwangeren unterschiedlichen Gestationsalters die Ableitung des fetalen EKG durchgeführt. Es erfolgte die Auswertung bezüglich Patientinnenkomfort, zeitlichen Aufwand und über technische Aspekte wie Elektrodenposition, Signalqualität und Nutzbarkeit der EKG-Rohsignale. Im Rahmen der durchgeführten Signalanalyse wurden Parameter der Herzratenvariabilität des Feten untersucht und erfolgreich analysiert. Schlussfolgerung: Die transabdominale Ableitung des fetalen EKG in Verbindung mit der Biosignalanalyse ist eine neue Methode, physiologische/pathophysiologische Veränderungen des Feten zu untersuchen. Dabei können objektive Parameter erarbeitet werden, die über das konventionelle CTG hinaus Veränderungen im fetalen EKG anzeigen. Die transabdominale Analyse des fetalen EKG hat großes Potential, Einflüsse von mütterlichen Erkrankungen, Medikamenten und besondere fetale Situationen (Vitium cordis) zu untersuchen.