Weichteildefekte am Unterschenkel bei akuter bzw. chronischer Osteomyelitis bedürfen meist aufwändiger rekonstruktiver Maßnahmen, wenn Defektdeckungen mittels gestielter Lappenplastiken oder Muskeltranspositionen aufgrund der Lokalisation des Defektes oder der Defektgröße nicht möglich sind. In diesem Fall kann die Transplantation von freier vaskularisierter Muskulatur vor einer eventuellen Amputation schützen. Es wurden 51 Patienten mit akuter und chronischer Osteomyelitis und bestehendem Weichteildefekt im Bereich des Unterschenkels nach folgendem Konzept behandelt: Radikales Débridement, adäquate Antibiotikatherapie und Deckung mit einem freien vaskularisierten Muskellappen. Es wurde 37-mal ein M.-latissimus-dorsi-Lappen und 14-mal ein M.-rectus-abdominis-Lappen transplantiert. In drei Fällen trat ein vollständiger Lappenverlust ein, wobei in einem Fall die Situation durch einen zweiten Lappen stabilisiert werden konnte. In den verbleibenden zwei Fällen trat neben dem Lappenverlust (Latissimus-Lappen) eine Infektexezerbation auf, sodass eine Unterschenkelamputation durchgeführt werden musste. Es konnten somit insgesamt 49 der 51 unteren Extremitäten erhalten werden. Es konnte gezeigt werden, dass sich die genannten akuten (97,1 %) und chronischen Osteomyelitiden (87,5 %) in 94,1 % bis zum Untersuchungszeitpunkt zumindest in einem Beharrungszustand befinden. Inwieweit auf unbestimmte Zeit eine definitive Sanierung erreicht wird, bleibt unsererseits unbeantwortet.